Impuls: Verzicht

Quelle: Umkehr zum Leben
Verzicht scheint mehr und mehr zum Lebensstil der Gegenwart zu gehören. „Hip“ ist, wer Verzicht übt. Das gilt zum Beispiel für die Ernährung. Die Zahl der Vegetarier bzw. der Flexitarier, die nicht generell, aber sehr häufig doch auf Fleisch verzichten, steigt stetig. Das ist einerseits ein Akt der Nächstenliebe gegenüber unseren Mitgeschöpfen, nutzt aber auch dem Klima und ist zudem gesünder. Wer heute einen Urlaub plant, der überlegt sich zweimal, ob er dafür fliegen muss und durch die entstehenden Flugemissionen dem Klima schadet, oder ob er auf das Flugzeug verzichten und mit der Bahn zum Urlaubsort kommen kann. Als Gesellschaft lernen wir gerade, wie wichtig es ist darauf zu verzichten, Kohle und Erdöl zu fördern und auf alternative Energieträger umzusteigen. „Kreislaufwirtschaft“ verbunden mit dem Verzicht des Wegwerfens scheint das Gebot der Stunde, was das Recyclen und Wiederverwenden gebrauchter Alltagsgegenstände angeht.
Verzicht dient dem Allgemeinwohl. Das lehrt uns schon die Bibel. Paulus rät den Korinthern auf den Konsum von Götzenfleisch zu verzichten, auch wenn dies für Christinnen und Christen eigentlich kein Problem darstellt. So möchte er verhindern, dass sich Gemeindeglieder verletzt fühlen. Damit sein Zeugnis des Evangeliums glaubwürdiger erscheint, verzichtet Paulus auf einen Lohn der Gemeinde. Jesus und seine Jünger haben als Wanderprediger bewusst ein Leben des Verzichts gelebt. Wenn heute „Verzicht“ als das Gebot der Stunde erscheint, dann kann man sich dabei also auch auf biblische Vorbilder berufen.
Michael Starck, Landeskirchlicher Beauftragter für den Kirchlichen Entwicklungsdienst
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