Impuls: Die Erzähl-Oase

 
Bereits am frühen Morgen ging das kleine rote Lichte an den Steckdosen aus. Der Strom ist weg! Nichts Ungewöhnliches für das Dorf in der Nähe von Jinja in Uganda, wo ich Weihnachten mit meiner Familie verbrachte. Gegen 18:30 Uhr fing es an zu dämmern und das rote Licht an der Steckdose war noch immer erloschen. Bald war es stockdunkel. Die sonst so lauten Musikboxen waren aus und alles was man hörte waren die Moskitos, die einem um den Kopf schwirrten. Ich saß mit meiner Kopflampe auf dem Kopf und meiner kleinen Tochter auf dem Schoß auf den Stufen der Veranda und schaute meiner Schwiegermutter zu, wie sie auf kleinen Holzkohleöfen das Abendessen für uns 17 Personen vorbereitete.
Normalerweise hat jede:r einen eigenen Essensplatz entweder im Wohnzimmer vor dem Fernseher, am Tisch oder draußen auf der Veranda. Heute saßen wir alle Zusammen auf den Stufen der Veranda, versammelt um die zwei Kopflampen, die wir an einen Pfosten gebunden haben. Dieser kleine Ort wurde auf einmal zu einer Erzähloase und die Stille der frühen Nacht wurde lange von Lachen erfüllt. 
 
An diesem Abend erfuhr ich zum einen mehr über das Leben meiner Schwiegermutter als junge Frau und zum anderen mehr über die neuen Freundschaften die meine Nichten und Neffen an diesem Tag geschlossen haben.
 
Manchmal brauchen wir alle einen Abend ohne Strom, eine kleine Erzähloase, um den Menschen in unserem Umfeld, in unserem Leben wieder ein Stück näher zu kommen.
 
Johanna Mugabi,
Mitglied der Fachgruppe, Landesjugendreferentin
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