Spiritualität

 

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Pilgerschritte
Beim Pilgerschritt werden tänzerisch zwei Schritte nach vorne gegangen und dann einer zurück. Am letzten Sonntag standen sich der amtierender Kanzler Olaf Scholz aus der SPD und der Kanzlerkandidat der CDU Friedrich Merz im Fernsehduell gegenüber. Da war nicht viel Tänzerisches zu sehen. Eher zwei steife Männer und eher das Bild eines „Hahnenkampfs“ mit viel Details, Zahlen, Behauptungen, Grinsen und Ich-Sätzen. Weit und breit keine Antwort und keine Vision, wohin sich die Gesellschaft entwickeln solle, wohin der Pilgerweg der Welt führen mag. Kurz nach dem Duell ging es bei Caren Miosga weiter, nun zu viert, Hr. Söder und Hr. Klingbeil saßen am Tisch, vom Spiegel Fr. Amann, alle zusammen fast noch aggressiver, polemischer, positioneller, aber leider auch hier: keine Antwort auf das Wohin. Lindner dann zu Gast bei den Tagesthemen. Keine Erleuchtung, das Übliche. Angriff und Verteidigung, Hülsensätze und selbstbewusstes Lächeln. Am Ende ein schmallippiges Danke, aber keine Vision, kein spürbares Herz und kein Wohin für uns Pilgernde. 250.000 gingen am letzten Wochenende gegen rechts allein in München auf die Straße bzw. auf die Theresienwiese, in Baden-Württemberg waren es mehrere Tausend in Konstanz und in Offenburg, dazu eine Lichterkette in Stuttgart, für eine bunte Gesellschaft. Sehr gut, dieser Pilgerweg. Folgen ihnen die Politikerinnen und Politiker auch? Lässt sich Trump noch aufhalten? Ist der irre Putin noch zu stoppen? Und all die anderen, die Melonis, Weidels, Höckes, Kim Jong-uns und Co?
 
Tanzen, Tänzeln wirkt zynisch. Alles viel zu ernst, zu kriegerisch, zu viele Opfer. Trotzdem der Pilgerschritt: Zwei Schritte vor und einer zurück. Das wirkt lächerlich, anachronistisch, aber so kommt man auch voran, langsamer, bedächtiger, sicherer – und vor allem gemeinsam, untergehakt. Ziel ist nicht das Pilgern, das macht man sich was vor. Ziel ist das Ziel. Es ist das, wohin man will. Wo wollen wir hin als Welt und als Einzelner auf dieser Welt? Wenn die Welt untergeht (was wir nicht hoffen), wenn wir die große und kleine Transformation nicht geschafft haben, gehen wir unter, gemeinsam. Das kann nicht das Ziel sein. Was dann? Suchen wir das Ziel, wenn wir in gut zehn Tagen bei der Bundestagswahl unser Kreuzchen machen. Suchen wir die Vision, die im Wahlgetümmel steckt. Gehen wir mit unserer Wahl einen Schritt auf dem gemeinsamen Pilgerweg der Gerechtigkeit, des Friedens und der Nachhaltigkeit. Entschlossen zwei Schritte auf Christus zu und einer zu ihm zurück.
 
Dr. Jochen Kunath,
Leitung des Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) / Studienleiter für Arbeitswelt und Wirtschaft an der Evangelischen Akademie und Mitglied der Fachgruppe, 
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